ist der beste tag um über das meer nachzudenken

Die Phan­tom­in­sel

Vor einem Jahr haben Forscher Qeqertaq Avannarleq entdeckt und sie zur nördlichsten Insel der Erde erklärt. Nun ist die Insel den Titel wieder los, da es ein Irrtum war. Phantominseln sind allerdings in der Geschichte der Seefahrt nichts Neues.

Wie gewon­nen, so zer­ron­nen – nie­mals hat die­ses Sprich­wort so gut gepasst wie auf die Insel Qeqer­taq Avannar­leq. Der Name bedeu­tet auf Grön­län­disch so viel wie nörd­lichs­te Insel. Und tat­säch­lich ging im August 2022 die Nach­richt um die Welt, dass die nörd­lichs­te Insel der Welt ent­deckt wurde. 

Ein schwei­ze­risch-däni­sches For­schungs­team hat­te das 30 mal 6o Meter gro­ße, nicht kar­tier­te Eiland per Zufall ent­deckt. Island Hun­ter (so bezeich­net man Men­schen, deren Hob­by dar­in besteht, bis­her unent­deck­te Inseln zu fin­den) konn­ten nicht glau­ben, dass ihnen die For­scher die nörd­lichs­te Insel weg­ge­schnappt haben. Und auch Ooda­aq, die bis­her nörd­lichs­te Insel der Welt, wur­de zur Bedeu­tungs­lo­sig­keit degra­diert. Liegt doch Ooda­aq nur 83° 40′ nörd­li­cher Brei­te, wohin­ge­gen Qeqer­taq Avannar­leq 800 Meter nörd­li­cher liegt. Die For­scher waren über­zeugt, dass die Insel bis­her unter der Eis­de­cke ver­steckt war und durch die Erd­er­wär­mung frei­ge­legt wur­de. Und so erho­ben sie den ästhe­tisch unspek­ta­ku­lä­ren, aber geo­gra­fisch höchst bedeu­ten­den  brau­nen Fleck zu Fest­land. Aller­dings mit der Ein­schrän­kung, dass die aus Schlamm und Kies bestehen­de Insel mög­li­cher­wei­se durch einen Sturm auch wie­der weg­ge­schwemmt wer­den könnte.

Doch nun muss­te das  For­schungs­team fest­stel­len, dass sich unter der Insel Was­ser befin­det und Qeqer­taq Avannar­leq also kei­ne Insel ist, son­dern nur ein fla­cher Eis­berg mit Schlamm drauf. Und weil man gera­de bei der Sache war, hat man sich auch gleich Ooda­aq genau­er ange­schaut und eben­falls zur Nicht­in­sel erklärt.

Die neue nörd­lichs­te Insel ist nun Inu­it Qeqer­taat und liegt 83 Grad 39 Minu­ten und 55 Sekun­den nörd­lich des Äqua­tors. Aller­dings soll­te man sich nun gar nicht erst die Mühe machen, sich den Namen die­ser geo­gra­fi­schen Beson­der­heit zu mer­ken, denn sie könn­te genau so gut bald wie­der zer­rin­nen wie ein Schnee­mann in der Früh­lings­son­ne. Die ver­meint­li­chen Inseln im Nor­den haben näm­lich die Ange­wohn­heit, sich ger­ne wie­der aus dem Staub zu machen. Dar­um sind sie auch als flüch­ti­ge Insel­chen, Geis­ter­in­seln, Inseln in Bewe­gung oder Phan­to­me bekannt. Beson­ders hübsch ist die Bezeich­nung Stray Dogs, also streu­nen­de Hunde.

Wir wer­den den For­schern ihren Irr­tum nach­se­hen, denn dass Inseln auf See­kar­ten auf­tau­chen und wie­der ver­schwin­den, ist nichts Neues.

Auf einer Kar­te des nie­der­län­di­schen Kar­to­gra­fen und Astro­no­men Johan­nes Ruysch von 1508 fin­den sich etwa die nörd­lich von Neu­fund­land gele­ge­ne Dämo­nen­in­sel. Wie man sich die­ses schau­ri­ge Eiland vor­zu­stel­len hat, schil­dert 1575 der fran­zö­si­sche  Gelehr­te André The­vet in sei­ner Cosmo­gra­phie: “Die kar­ge und abge­le­ge­ne Phan­tom­in­sel sei bewohnt von bösen Geis­tern und Dämo­nen, die sich durch ver­wor­re­nes Gebrüll und unar­ti­ku­lier­te Schreie bemerk­bar machen.” The­vet behaup­tet, die Insel betre­ten zu haben und von den bös­ar­ti­gen Phan­to­men gequält wor­den zu sein. Nur mit Bibel­zi­ta­ten konn­te er die Dämo­nen bezwin­gen und von der Insel fliehen.

Auf aktu­el­len See­kar­ten ist die berüch­tig­te Insel aller­dings nicht mehr zu fin­den. Für die Schreie der Dämo­nen gibt es aller­dings eine plau­si­ble Erklä­rung. Sie könn­ten von Paa­rungs­kämp­fen der Wal­rös­ser oder gro­ßen Vogel­ko­lo­nien stammen.

mar

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