ist der beste tag um über das meer nachzudenken

Warum Segeln mit jedem Jahr besser wird

Ein neues Jahr, ein weiteres Lebensjahr — und die Frage: Wird man irgendwann zu alt zum Segeln? Warum wir überzeugt sind, dass Segeln mit jedem Jahr besser wird.

Ein neues Jahr beginnt — und eines steht fest: Irgendwann in den kommenden zwölf Monaten wird jede und jeder von uns Geburtstag haben und sich ein kleines Stück älter fühlen.

Wir sind Frühlingskinder. Und so feiern wir unseren Geburtstag jedes Jahr am Beginn der Saison an Bord: Wir lassen gelassen einen Korken knallen, lehnen uns zurück und lassen den Blick über die Marina schweifen.

Die Segeljugend stapft mit dicken Schwimmwesten Richtung Wasser, bereit für ihr erstes Training. Die neue Saison wird voller Regatten sein — kein Wunder, dass es den Nachwuchs kaum früh genug aufs Meer zieht.
Die ersten Regattayachten sind wieder zurück in ihrem Element, die Crews beginnen, ihre Boote zu trimmen und in Form zu bringen.
Gleich daneben üben Segelschulen mit ihren ersten Gruppen das Anlegen, immer und immer wieder — an Bord sitzen Neulinge, die es kaum erwarten können, endlich eigenständig unterwegs zu sein.

Während wir so das Treiben beobachten — das jugendliche Tempo, die sportliche Ambition, die ersten vorsichtigen Manöver der Neulinge — merken wir, wie sich in uns ein leiser Gedanke formt. Wir, Mitte bis Ende fünfzig, stoßen an, lassen den Blick über die Marina wandern und tauschen einen dieser Blicke, die mehr sagen als Worte:

Werden wir irgendwann zu alt sein zum Segeln? Ist Segeln überhaupt eine Frage des Alters?

Natürlich ist Segeln eine Frage des Alters — aber nicht so, wie man vielleicht denkt. Man wird nie zu alt, um zu segeln. Denn auf dem Wasser gleichen sich die Qualitäten der Jugend und des Alters auf fast magische Weise aus: Kraft und Energie treffen auf Erfahrung und Ruhe, Übermut auf Gelassenheit, Tempo auf kluge Entscheidung. Es ist wie die Waage, die Justitia in der Hand hält: Beide Seiten tragen zum Gleichgewicht bei.

Und genau dieses Gleichgewicht zeigt sich in vielen kleinen, aber entscheidenden Momenten.

Da steht zum Beispiel der erfahrene Skipper im Hafen, spürt die Böen kommen, hört das Pfeifen in den Masten — und entscheidet sich, nicht auszulaufen. Nicht aus Angst, sondern aus Urteilskraft. Während die Jüngeren gern beweisen, dass sie es können, wissen die Älteren, wann sie es können sollten. Es stimmt eben: Der gute Segler kämpft im Sturm; der exzellente Kapitän sitzt im Hafen und sieht ihm dabei zu.

Oder dieser andere Moment: Ein minimaler Zug an der Schot, eine kaum sichtbare Kurskorrektur — und plötzlich liegt das Boot wieder ruhig, als hätte es nie aus dem Takt geraten können. Für Außenstehende sieht das nach Glück aus. Für den, der es tut, ist es das Ergebnis von Jahren. Von Körperwissen, das sich nicht erlernen lässt wie ein Lehrbuch, sondern nur durch Zeit entsteht.

Und dann gibt es noch das Schauspiel der Hafenmanöver. Die Jugend liebt diesen Moment: das präzise Ansteuern, das Gefühl, im Spotlight zu stehen, die Chance, allen zu zeigen, wie souverän man eine Yacht rückwärts in die kleinste Lücke bringt. Ein kleines Publikum? Nur umso besser. Es ist die Bühne, auf der man glänzen möchte. Aber mit den Jahren ändert sich der Blick. Plötzlich geht es nicht um Perfektion, sondern um Effizienz. Nicht darum, wer zusieht, sondern darum, wie man das Boot dorthin bringt, wo es am sichersten liegt. Statt mit Schwung in die engste Box zu zielen, sucht man ganz selbstverständlich den geringsten Weg des Widerstands: den breiteren Schlauch, die ruhigere Ecke, den leichten Windversatz, der einem hilft statt schadet.
Alte Hasen wirken dabei fast unverschämt entspannt — sie sind nicht trotz ihres Alters souverän, sondern wegen ihres Alters.

All das führt uns zu einer klaren Erkenntnis: Segeln kennt kein „zu alt“.

Segeln wird sogar besser, je älter wir werden — weil es ein Sport ist, der genau jene Fähigkeiten belohnt, die das Leben uns mit jedem Jahr ein kleines Stück schenkt: Gelassenheit, Übersicht, Feingefühl und die Kunst, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen.

Und während wir so dasitzen — Korkenknallen inklusive — wird uns bewusst: Nicht die Jugend war unsere beste Segelzeit. Sondern die Jahre, die jetzt vor uns liegen.

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