In unserer Studienzeit, Anfang der 90er Jahre, gehörte Chili con Carne zu jeder guten Party. Kein Fest ohne den großen Topf, aus dem es würzig duftete. Die Zutaten waren einfach, die Zubereitung unkompliziert – und satt wurde jeder. Vielleicht war es genau das, was es so beliebt machte: ein Hauch von Abenteuer, ein bisschen weite Welt, viel Wärme im Bauch. Seither ist es bei uns ein wenig in Vergessenheit geraten, doch nun haben wir es für die Bordküche wiederentdeckt. Was auf einem Fest funktioniert, funktioniert schließlich auch an Bord. Und das Schöne ist: Es schmeckt heute sogar noch besser.
Chili con Carne war ursprünglich ein Street-Food-Gericht. In den Grenzstädten zwischen Texas und Mexiko wurde es schon im 19. Jahrhundert in großen Kesseln auf offenen Feuern gekocht und an hungrige Arbeiter und Reisende verkauft. Ein Topf, einfache Zutaten, kräftiger Geschmack – somit auch das ideale Gericht für lange Abende im Hafen oder für hungrige Crews nach einem Segeltag. Das einzige was man braucht, ist etwas Zeit.
Aber nun an den Topf! Etwas Olivenöl hinein und das Faschierte dazu. Klassisch ist hier Rind – wir sind ja schließlich in Texas. Wir rösten das Fleisch kräftig an, bis sich schöne Röstaromen bilden. Dann kommen klein gehackter Zwiebel und Knoblauch, die würfelig geschnittene Paprika und das Tomatenmark dazu und alles wird kurz mitgeröstet.
Jetzt wird’s spannend: die Chili. Sie ist das Herz des Gerichts – und ihre Wahl entscheidet, ob wir eine sanfte Brise oder einen wahren Sturm im Topf entfachen. Von milden Jalapeños, die nur ein wenig Sonne bringen, über die fruchtige Schärfe der Serrano bis zur teuflischen Habanero, die selbst erfahrene Seebären ins Schwitzen bringt – erlaubt ist, was gefällt. Wichtig: Die Kerne enthalten den größten Teil der Schärfe. Wer’s milder mag, entfernt sie einfach. Und noch ein Tipp aus eigener, leidvoller Erfahrung: Wenn man die Chili fein hackt, danach unbedingt gründlich die Hände waschen – und auf keinen Fall mit den Fingern die Augen reiben. Das bereut man bitter.
Jetzt ist Zeit für die Gewürze: Kreuzkümmel, Paprikapulver, Salz und Pfeffer geben dem Ganzen Tiefe und Wärme. Wir mögen auch einen kleinen Spritzer Tabascosauce – das bringt eine feinere, vielschichtigere Schärfe ins Spiel. Nun kommen die Tomaten dazu, und alles darf 30 bis 40 Minuten gemütlich vor sich hin köcheln. Wenn zu wenig Flüssigkeit im Topf ist, einfach etwas Wasser zugießen – oder, für die erwachsene Variante, einen kleinen Schuss Rotwein.
Nach und nach verdichtet sich das Chili, die Sauce wird sämig, das Fleisch zart, die Aromen verbinden sich zu einem kräftigen Ganzen – genau dieser Moment ist der richtige. Dann kommen die Bohnen und der Mais dazu, und alles darf noch etwa zehn Minuten weiterziehen.
Natürlich darf bei Chili con Carne auch die kulinarische Grundsatzdiskussion nicht fehlen: In Texas würde man uns für dieses Rezept zum Duell herausfordern – dort kommen weder Bohnen noch Mais in den Topf. Südlich des Rio Grande hingegen gehören sie selbstverständlich dazu. Wir sind kulinarisch eindeutig auf der mexikanischen Seite unterwegs – mit Sonne, Farbe und ein bisschen Lebensfreude im Topf.
Am Ende kann man – ganz geheim – noch ein Stück dunkle Schokolade einrühren. Sie rundet das Chili ab, macht es samtiger und verleiht ihm diese Tiefe, die man sonst nur schwer beschreiben kann. Dazu passt ein Stück knuspriges Brot und fertig.
Und weil Chili con Carne ja nicht nur wärmt, sondern manchmal ordentlich Feuer entfacht, sollte man auch an das richtige Getränk denken. Wasser hilft dabei übrigens kaum – wer es wirklich ernst meint, greift besser zu einem kühlen Bier. Und da sind keine Grenzen gesetzt: ein fruchtiges Pale Ale, das mit seiner leichten Hopfenbittere die Schärfe schön auffängt, ein herbes Pils, das den Gaumen reinigt, oder ein malzbetontes Lager, das mit seiner Süße den Chili-Schärfen sanft kontert. Auch ein Brown Ale oder ein Vienna Lager passen hervorragend – rund, leicht karamellig und perfekt zum würzigen Eintopf. Mein persönlicher Favorit ist ein belgisches Leffe blonde. Ein Abteibier, das immerhin schon seit 1240 gebraut wird. Wie auch immer – Hauptsache, es ist gut gekühlt und löscht mit Stil.